Schloß Mehrum - Rheindorf Mehrum

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Mehrum

Schloß Mehrum

Dorf und Schloß Mehrum sind durch eine uralte Tradition eng miteinander verbunden. Nachstehend werden die Besitzer von Haus Mehrum in Kurzform genannt:
Im Jahre 1184 wird erstmals ein Nicolas de Merehem erwähnt. Der Herrensitz wechselte mehrmals seine Besitzer. Von 1487 bis 1506 ist Haus Mehrum im Besitz von Joist von Lasalle. Von 1582 bis 1618 ist Wilhelm Bertram von Lützenrath. Herr der Herrschaft Thoulouse, Landdrost zu Dinslaken, Amtmann zu Sonsbeck, Besitzer von Haus Mehrum. Seit 1618 Besitz des Wilhelm von Ketzgen, seit 1664 des Gottfried von Strünkede, seit 1693 des Wessel Wirich von Bodelschwingh. 1695 Umbau des Schlosses - datiert durch Ankersplinte. 1795 kam Haus Mehrum an Friedrich Wilhelm Freiherr von Plettenberg auf Heeren.


100 Jahre oder drei Generationen von Plettenberg in Mehrum

Den Kindern des Freiherrn von Plettenberg in Heeren fiel der Mehrumer Besitz zu, von dem sie in den Jahren 1831 - 1835 von ihren insgesamt 895 preußischen Morgen etliche Grundstücke und Anwesen verkauften, z.B. Haus Löhnen, Ettwigs Hof und Giesen Hof.
Die Geschwister überließen den restlichen Besitz mit dem Haus Mehrum ihrem Bruder Karl Ludwig Adolf von Plettenberg, der 1830 auf den Herrensitz in Mehrum zog.
Sein Sohn Gustav Karl von Plettenberg wurde am 20.5.1835 in Mehrum geboren und starb am 2.7.1910. Er war in erster Ehe verheiratet mit Elisabeth Laura von Rosenberg-Rosinski.
Der Letzte derer von Plettenberg, Karl Anton, geb. 5.4.1871, heiratete die Witwe Margarethe Kohl, von der er 1919 wieder geschieden wurde. Seine geschiedene Frau stellte hohe Forderungen, so daß er 300 Morgen von seiner Besitzung in Mehrum an die Firma Hülskens verkaufen mußte. 1930 ehelichte er die Witwe Klara Wendelstedt,  geb. Pfeifer, eine Professorenwitwe aus Köln.
Nach Verkauf der restlichen Besitzungen mit dem Haus Mehrum im Jahre 1929 zog er nach Köln, wo er 1942 starb. Seine Urne wurde auf dem Voerder Friedhof in der dortigen Kellergruft unter Anteilnahme aller Mehrumer beigesetzt.


Karl Anton von Plettenberg

Karl Anton - kurz Baron genannt - war königlicher Kammerherr und Direktor des Norddeutschen Lloyd. Er beherrschte sechs Sprachen. Zu seinem Sekretär hatte er Wilhelm Schänzer ernannt und ihn nach Bremen geholt.
In den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg bis etwa 1924 wurde zu Weihnach¬ten jedes Mehrumer Kind, das vorher seinen Wunschzettel abgegeben hatte, auf dem Schloßhof beschenkt. Die Erwachsenen erhielten anläßlich des Geburtstages des Freiherrn Karl Anton am 5.4. eines jeden Jahres ein Faß Freibier in der Gaststätte Ziegler.
Zum Geburtstag des Kaisers, früher öffentlicher Feiertag, am 27. 1. war großer Aufmarsch auf dem Schloßhof. Es erschienen die Regimentskapelle der 57-er aus Wesel, der Schützenverein und der Gesangverein des Dorfes. Die Präsidenten der Vereine (Peter Hülser. gen. Giesen. für den Gesangverein und Heinrich Münster für den Schützenverein) hielten patriotische Ansprachen. Auch anläßlich des Sedanstages (1.9., Erinnerungstag an die Schlacht bei Sedan 1870) fanden solche Zusammenkünfte am Schloß statt. Der Sedanstag war Staatsfeiertag, die Schulkinder hatten schulfrei. Bereits 1871 hatte der Baron aus diesem Anlaß in der Nähe des Schlosses die Friedenseiche gepflanzt, die uns heute noch zur Erinnerung erhalten geblieben ist.
Etwa im Jahre 1923 war Freiherr Karl Anton von Plettenberg Bürgermeister in Voerde. Er war dort auch lange Zeit als 1. Beigeordneter tätig. Dem ersten Kreistag nach dem Ersten Weltkrieg (1919) gehörte er als Abgeordneter der Landbürgermeisterei Voerde ebenfalls an. Er veranlaßte die Errichtung eines Polizeipostens in Mehrum, für den er ein Wohnhaus an der Weberstraße bauen ließ.
Da er als Bürgermeister die Anordnungen der belgischen Besatzungsmacht nicht befolgte, wurde er verhaftet und für kurze Zeit in Köln inhaftiert. Nach seiner Entlassung bereiteten die Mehrumer ihm einen herzlichen Empfang.
Der Baron befehligte als Hauptmann die örtliche Feuerwehr. Bis 1920 mußten alle Bürger zu Löschübungen erscheinen. Die Spritze war in einem Anbau am Lehrerwohnhaus untergebracht. Mit ihr wurde 1947 noch der Brand auf Ettwigshof gelöscht. Es war eine Handspritze. Feueralarm wurde durch den Schmiedemeister Friedrich Schmitz mit dem Feuerhorn gegeben.
Baron Karl Anton pflegte nach dem Ersten Weltkrieg mit zwei rassigen Schimmeln auszufahren. In der Vorkriegszeit ließ er sich vierspännig kutschieren. Als Reichstagsabgeordneter besaß der Baron das Privileg, zur Teilnahme an Sitzun¬gen in Berlin sämtliche Züge im Bahnhof Voerde anhalten zu lassen.

Zum Personal auf dem Schloß gehörten überwiegend Mehrumer. Im Jahre 1924 waren auf dem Schloß beschäftigt:
1 Diener
3 Jungen (Knechte)
1 Köchin und 2 Mädchen
1 Gärtner
1 Kutscher
3 Stubenmädchen
Außer dem Baron wohnten auf dem Schloß seine Schwester Laura mit ihren Kindern, die Stiefmutter, Tante Mary - aus Riga, ein Sekretär und der Hauslehrer Gertz.
Über den im Volksmund oft erwähnten unterirdischen Gang, der das Schloß mit der „Görts-Koot" - ehemals ein Kloster (ehem. Gaststätte Mölleken) - verband, berichtete eine Dorfbewohnerin. Sie selbst war Zeuge, wie dieser Gang aus Sicherheitsgründen  zugemauert wurde. Seine Wände sollen etwa fünf Meter dick gewesen sein. Alle Nachforschungen blieben jedoch erfolglos.


Nutzung der Schloßgebäude nach dem Verkauf

Nachdem Freiherr Karl Anton von Plettenberg den Besitz seiner Vorfahren im Jahre 1929 verlassen hatte, war dem Schloß und den übrigen Gebäuden ein recht unterschiedliches Schicksal beschieden.
In dem eigentlichen Schloß brachte zunächst die Kölner Firma Müller und Pfroizheim, die den Ausbau des Deiches übernommen hatte, das Baubüro unter. In der Zeit von 1934 bis 1937 nutzte der "Deutsche Arbeitsdienst" das Herrenhaus als Quartier. Einige Stallungen wurden zu Waschkauen umgebaut und im Park zusätzliche Wohnbaracken errichtet.
In den Jahren 1939 bis 1945 fanden Kriegsgefangene (Franzosen, Russen und Polen) und später „Fremdarbeiter" (zur Arbeit in Deutschland gezwungene Zivilisten aus den von deutschen Truppen besetzten Gebieten) ein Obdach im Schloßgebäude.
Während der Eroberung des Niederrheins durch die Truppen der Alliierten im März 1945 erhielt das Schloß mehrere Granattreffer, die das einstmals stolze Haus in eine traurige Ruine verwandelten. In den ersten Nachkriegsjahren dachte niemand an einen Wiederaufbau. da Baumaterial nur zur Schaffung von Wohnraum verfügbarwar. Wind und Wetter vollendeten das menschliche Zerstörungswerk in den folgenden Jahren. Es fehlte nicht an Vorschlägen, die Ruine einem neuen Verwendungs¬zweck zuzuführen (Jugendherberge, Museum u.a.).
Da auch in den folgenden Jahren keine Finanzmittel für den Wiederaufbau beschafft werden konnten, mußte im Frühjahr 1960 unser Dorf von seinem alten Wahrzeichen Abschied nehmen. Der Besitzer beseitigte die Ruine und fuhr den Schutt in ein ausgekiestes Baggerloch am Rhein. Auf dem Schloßhof kennzeichnen nur noch zwei Treppenstufen den alten Eingang zum ehemaligen Herrensitz. Zum Teil heute noch vorhanden sind die Nebengebäude.


Verlorenes Wahrzeichen

Unser Dorf hält heute noch das Schloß als verlorenes Wahrzeichen in guter Erinnerung. Eine Fotografie des Schlosses ziert fast jedes Mehrumer Wohnzimmer. Seit der Wiedergründung des Schützenvereins 1950 schmückt "Haus Mehrum" die Rückseite unserer Vereinsfahne. Anläßlich der Einweihung der Schützenhalle am 27. 1. 1968 veranlaßte Oberschießmeister Wilhelm Ettwig, gen. Küpperdam, die Darstellung des Schloßes auf einer Wand durch Hermann Hallen aus Spellen. Die Teilnehmer und Gäste der Einweihungsfeier erhielten ein Bierglas mit dem Mehrumer Wahrzeichen. Seit 1976 trägt jeder Schütze ein Wappen mit dem Haus Mehrum bestickt am Uniformärmel und seit 1990 eine Vereinsnadel mit gleichem Symbol.
Das einzige, was vom ehemaligen Schloß zu retten war, ist der Wappenstein, der sich über dem Haupteingang befand. Es handelt sich um ein Doppelschildwappen mit zwei gegeneinander geneigten Wappenschildern unter einer frei darüber angebrachten siebenzackigen Krone.
Das aus Bamberger Kalksandstein gearbeitete Wappen zeigt links das Freiherr von Plettenberg'sche Wappen, das Wappen rechts ist das derer von Bodelschwingh.
Es könnte möglich sein, daß dieser Wappenstein erst nach dem Umzug der Familie von Plettenberg nach Mehrum im Jahre 1830 errichtet worden ist. Er wurde durch den Dombauverein Wesel im September 1984 restauriert und durch die Mehrumer Dorfgemeinschaft auf dem ehemaligen Rosenberg direkt neben dem Mehrumer Ehrenmal aufgestellt, wo er am 24.8. 1985 in einer kleinen Feierstunde eingeweiht wurde.
Quelle: BSV Mehrum - Heinz Ettwig
Schloß Mehrum
Karl Anton Freiherr von Plettenberg
Haus Mehrum 1945
Postkarte von 1911, geschrieben vom "Schloßherrn" Karl Anton von Plettenberg an seinen Vetter  (Quelle: Werner Schenzer)
Wappenstein vom Schloß Mehrum, heute neben dem Ehrenmal
 
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